Gran Canaria - Bye Bye Europe

Gran Canaria, 28. November 2016:

Von Las Palmas haben wir leider so gut wie nichts gesehen, da wir die letzten Vorbereitungen auf der KOBOLD für unsere Atlantiküberquerung erledigen mussten. 

Gran Canaria hieß uns leider nicht sehr herzlich willkommen. Bei unserer Ankunft im Hafen von Las Palmas regnete es in Stömen. Die Marina reagierte trotz mehrfacher Versuche nicht auf unsere Anfrage per Funk in den Hafen einlaufen und einen Platz zugewiesen zu bekommen. Wir hörten über Kanal 11, dass es den anderen Segeljachten ähnlich ging, obwohl wir auch hörten, dass die Marinebeamten miteinander auf dem selben Kanal sprachen. Erst als ich die Marineros auf spanisch anfunkte, würden wir angewiesen 10 Minuten zu warten, man würde uns dann Bescheid geben. Zwischenzeitlich waren wir jedoch schon längst im Hafen und hatten an der Tankstelle festgemacht. Da man uns auch nach zehn Minuten weiter ignorierte und auch die Jungs nichts ausrichten könnten, indem sie persönlich ins Marinebüro gingen, um einen Platz zu bekommen, beschlossen wir erstmal zu frühstücken. Nach den ersten Bissen, kam ein entnervter Marinero mit seinem Speedboot angefahren und wollte uns klar machen, wir müssten erstmal wieder raus aus dem Hafen und davor ankern, bis wir einen Platz zugewiesen bekommen. Da wir zwischenzeitlich von anderen Yachties mitbekommen hatten, dass der Ankergrund schlammig und daher nicht sonderlich geeignet war und diese zudem zwei Tage gewartet hatten, bis sie einen Platz im Hafen bekommen haben, obwohl es noch einige freie Plätze gab, weigerten wir uns den Hafen wieder zu verlassen, jetzt wo wir bereits drin waren. Schließlich haben wir uns vollkommen korrekt verhalten und konnten nichts dafür, wenn man uns nicht rechtzeitig informierte. Der Marinero zeigte jedoch keinerlei Einsicht und gab uns keine Gelegenheit für ein konstruktives Gespräch, sondern brauste mit seinem Speedboot und der Drohung die Polizei zu verständigen, wenn wir nicht verschwinden, wieder davon. Nachdem er noch zweimal vorbeifuhr und auch andere Yachties uns zu verstehen gaben, dass sie unseren Platz zum tanken bräuchten, verlegten wir die KOBOLD auf die andere Seite am Ende des Stegs, in eine kleine "Sackgasse". Erstaunlicherweise kamen die Marineros ungefähr eine 3/4 Stunde wieder und bedeuteten uns ihnen und dem Katamaran, den sie im Schlepptau hatten zu folgen. 

Zeitgleich erhielt Jens den langerwarteten Anruf eines Versicherungsmenschen, um die Erstattung unserer beschädigten Badeplattform und des Hydrogenerators zu sprechen. Da die Marineros und der Katamaran bereits außer Sichtweite waren, war nun etwas Eile geboten. Wir legten von dem Steg ab und versuchten die KOBOLD in der engen Sackgasse zu wenden. Als unser Bug gerade in der Lücke zwischen zwei Booten stand und unser Heck auf die Steine an der Uferböschung zeigte drückte uns der Wind mit dem Heck immer näher gegen die Steine und das dazwischen liegende Boot eines deutschen. Unser Grill hing bereits in der Reling des anderen deutschen Schiffs fest und ich hab gedanklich unser Ruder schon an den Steinen bzw. unseren Kile im Grund feststecken sehen. Glücklicherweise kam der Eigner des deutschen Schiffs sowie ein spanischer Segler an Land zur Hilfe und versuchten uns gemeinsam mit diversen Leinen in die richtige Richtung zu drücken, was uns schlussendlich dann auch gelang. Mir ist ein ganz schöner Stein vom Herzen gefallen, dass wir unbeschadet aus der Nummer raus gekommen sind. 

 

Die Marinero gabelten uns wieder auf und führten uns in einen abgelegen kleinen Hafen, am Ende des Hafens, der zwar nicht besonders ansehnlich im Vergleich zum Haupthaufen war, aber dafür ruhig gelegen. später erfuhren wir, dass in diesem Teil des Hafens diverse konfeszierte Drogenschiffe an den Muringleinen direkt vor den Steinen lagen. Wer weiß, ob das eine Art Strafversetzung für unserer vorherige Weigerung war, den Hafen zu verlassen und zunächst zu ankern.  

Da die Eltern von Lorenz zur selben Zeit auf Lanzerote waren, machte er mit der Fähre einen kleinen Abstecher zu ihnen um sich noch ein paar Kleinigkeiten mitgeben zu lassen und sie nochmal zu sehen, bevor es für ihn weiter zu den Kapverden und danach weiter an noch unbestimmte Orte ging.

Währenddessen fingen wir an unsere To-Do-Liste abzuarbeiten. Wir füllten unsere Grabbags, die wir im äußersten Notfall auf die Rettungsinsel mitnehmen wollten, mit lebensnotwendigen Dingen wie, Medizin, Wasser, Müsliriegeln, Angelleinen, Taschenlampe und Sonnenmilch (später entdeckte ich noch mit einem Schmunzeln, dass Jens noch eine letzte Packung Zigaretten hinzugefügt hat- das wird wohl eher nicht mit dem Rauchenaufgeben). Außerdem laminierten wir eine Liste mit lebensnotwendigen Rufnummern und den erforderlichen Angaben im Falle eines Maydays ein. Und schließlich gingen klapperten wir die ganzen Marineläden nach Dingen ab, die wir noch benötigten, wie z.B. Diverse Gastlandflaggen, Elektrostecker für die Solarpanells (die alten waren bereits durchkorrodiert), eine neue Ersatzopferanode für unseren Motorpropeller etc.

Sobald Lorenz wieder an Bord war, wurde mit den Arbeiten begonnen. Die Lifelines wurden befestigt, unser Hydrogenerators neu justiert, da er zuvor immer wieder beim segeln an die Wasseroberfläche auftauchte und daher nicht genug Strom lieferte. Leider stellten wir fest, dass zwei der alten Solarpanels Haarrisse aufwiesen und daher nicht mehr zu gebrauchen waren. Um unserem Energieplan erfüllen zu können mussten wir also kurzerhand auch noch ein neues Solarpanel kaufen. 

Den nächsten Tag (Freitag) verbrachten wir am Vormittag mit der erneuten Proviantierung, in erster Linie mit frischem Obst, Gemüse und Fleisch und am Nachmittag beim Segelmacher. Um uns vor der Sonne in der Karibik zu schützen wollten wir unser Bimini noch etwas erweitern, indem an den Seiten und zum Heck hin weitere Stoffe gespannt werden konnten. Außerdem wollten wir ein sogenanntes Ghost haben. Eine Art Zelt, das man über der vorderen Luke anbrachte und durch das etwas frischer Wind durch das Schiff gepustet werden soll. Da wir bereits am Samstag abreisen wollten, sollten die Sachen noch am selben Tag gemacht werden. Der Segelmacher meinte jedoch er würde nicht beides schaffen, es sei den, wir würden ihm die Teile für das Ghost selber zuschneiden. So kam es dann auch. Jens und ich schnitten die Stücke nach einem Muster des Segelmachers zu und waren zugleich live dabei, wie unser Bimini optimiert wurde. Die zunächst so einfach geglaubte Arbeit entpuppte sich als aufwändiger als gedacht. Wir saßen von 15 Uhr bis ca. 22 Uhr im Atelier des Segelmachers.

Als wir endlich wieder am Schiff ankamen erwartet uns neben Lorenz bereits Mathi, der mit uns den Törn zu den Kapverden machen wollte. Wir schafften es noch gemeinsam vorzüglich in einem der Marinerestaurants essen zu gehen, bevor wir herrlich gesättigt und erschöpft in die Kojen vielen. 

Am nächsten Tag waren die Wettervorhersagen für den Törn zu den Kapverden leider immer noch bescheiden. Es waren jede Menge Flauten angesagt. Daher zogen wir die Genua 2, ein größeres Vorsegel, auf das Vorstag und ich kochte den Vormittag über Chilli von Carne und Buletten für die Überfahrt vor. Noch bevor ich das Abendessen vorbereiten konnte, waren die Hälfte der Buletten schon auf rätselhafte Weise verschwunden ;).

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen gleich aufbrechen. Wie sooft, verzögerte sich die Abfahrt jedoch auf 15 Uhr, bevor alle geduscht, die Formalitäten geklärt und klarschiff gemacht war. Mit einem Mittelbauten Tröten aus unser Hupe tuckerten wir dann jedoch endlich aus dem Drogenhafen heraus. Trotz des wenigen Windes setzten wir die Segel und dümpelten vor der Küste Gran Canarias herum. Noch ca. Vier Stunden konnten wir die Lichter des Hafens von Las Palmas sehen. Die See war seicht und wir luden erneut das Wetter über unser Satelitentelefon runter. Leider war das Ergbnis: noch mehr Flaute. Da Mathi spätestens am 6. Dezember 2016 seinen Flug von den Kapverden bekommen sollte und die Vorhersagen nicht alle eine Ankunft vor diesem Datum versprachen überlegten wir kurz, doch auf den Kanaren zu bleiben, dort einige nette Tage zu verbringen und von dort aus über den Atlantik zu setzen. In der Hoffnung dass die Vorhersagen sich noch ändern würden verwarfen wir den Plan jedoch wieder....