WAS BISHER GESCHAH

Nach unseren herrlichen Segelurlauben in der türkischen Ägäis, habe ich Blut geleckt. Jens war schon immer begeistert von Booten und ich wollte auch mehr… Mehr Sonne, mehr Seeigel und Seesterne, nächtliche Badegänge in phosphorisieredem Wasser, Stand-Up-Paddeling, ankern in nahezu einsamen Buchten, baumeln in der Hängematte mit einem Buch in der Hand. Ein Urlaub war zu kurz um das Land und das Meer aufzusaugen. Ich wollte mehr als vor dem Urlaub den vollen Schreibtisch unter Hochdruck abzuarbeiten, nur um nach dem Urlaub wieder einen noch volleren Schreibtisch vorzufinden. Ich wollte noch was erleben, solange wir noch (halbwegs)

ungebunden sind. Ein Abenteuer von dem man noch lange zehren kann und das einem Kraft für lange Zeit gibt. Auch wenn da gewisse Zweifel waren… Ich meine wir beide haben tolle Jobs in denen wir gefordert wurden und vor allem, mit tollen Kollegen (lieben Gruß an Euch!). Eigentlich hatte ich das Gefühl beruflich endlich angekommen zu sein. Und das Risiko, dies zu verlieren bestand natürlich zweifelsohne. Umso glücklicher war ich, dass meine Arbeitgeber, da mitmachten und ich eine Freistellung für ein Jahr bekommen habe!! 

Aber ich schweife etwas ab. Nach dem letzten Segelurlaub Ende 2015, führte genau die Situation mit dem übervollen Schreibtisch und besonders nervigen Akten dazu, dass ich zu Jens sagte: „Lass uns einfach abhauen!“ Natürlich stieg Jens sofort darauf ein und ehe ich mich versah hatte er ein Blauwasserseminar beim berühmten Weltumsegler Söhnke Roevers gebucht. Ca. Ende Februar 2016 suchte Jens schon jeden Abend im Internet nach Booten. Und siehe da, es gab sogar ein für Langfahrten ausgerüstetes Schiff in BERLIN! Wir dachten ein Traum wird wahr! Nachdem Jens die mündliche Zusage bekommen hat, dass ein Sabbatical Ende des Jahres möglich wäre, unterzeichneten wir etwas überstürzt den Kaufvertrag für unser Traumschiff. Gedanklich waren wir schon täglich abends auf dem Boot und rüsteten es aus und genossen am Wochenende den Sommer noch auf dem Wannsee. Doch es sollte dann doch nicht sein. Bei der Bootsübergabe fanden wir (Jens) ein paar kleine Mängel am Boot. Da wir vereinbart hatten, dass der Verkäufer diese zu tragen hatte, kam es zu Unstimmigkeiten mit den Verkäufern und der Vertrag wurde am Ende des Tages zerrissen, verbunden mit der Absprache, den Kauf erneut - diesmal mit einem Sachverständigen - abzuwickeln. Mir leuchtete schon zu diesem Zeitpunkt nicht ein, weshalb wir deswegen den Kaufvertrag zerreißen mussten. Zwei Tage später kam dann Licht ins Dunkel. Uns erreichte eine E-Mail der Verkäufer, in der zunächst nicht mehr die Rede von einem neuen Kaufvertrag war. Statt dessen wurde lang und breit und mit deutlich schlechtem Gewissen zwischen den Zeilen erklärt, das Boot habe eine Grundberührung mit Wassereinbruch gehabt. Wir waren mehr als enttäuscht und konnten nicht verstehen, dass das sympathische, seeerfahrene Ehepaar uns das verschwiegen hatte.

Nach diesem Schlag in die Magengrube machten wir uns erneut auf die Suche. Da wir zeitliche Vorgaben hatten artete es in einen Besichtigungsmarathon aus. Nebenbei lernten wir eine Menge interessanter Seebären und -bärinnen kennen. Schließlich fanden wir im April unsere KOBOLD im Hamburger Yachthafen in Wedel. Diesmal wollten wir es richtig machen und beauftragten einen Sachverständigen. Und was soll ich sagen.. auch bei unserer KOBOLD lief nicht alles ganz rund. Im Gegensatz zu unserem ersten Kauf, verschwiegen uns die Voreigner nicht, dass auch die KOBOLD eine Grundberührung hatte, allerdings stellte der Sachverständige fest, dass eine Wrange im Rumpf des Bodens verzogen war. Heißt, der komplette Kiel musste ab und neu aufgebaut werden. Außerdem, stellte sich heraus, dass das Segel nicht von 2007, sondern von 1997 war, das Unterwasserschiff musste neu gestrichen werden, die Ankerkette war zu kurz, der Motor vom Dingi (Beiboot) lief nicht und, und, und… nebenher hieß es noch in der Kürze der Zeit meine Wohnung neben der Arbeit aufzulösen, an den Wochenenden nach Hamburg raus fahren um das Boot für die Langfahrt mit Rettungsinsel, AIS, neuen Wanten + Fallen, auszurüsten, Deck schleifen und, und, und… wäre da nicht der Gedanke, an die tolle Zeit die vor uns liegt, währen wir wahrscheinlich direkt an „Burn out“ erkrankt :-!