Le Manoir St Michel & CAPE FREEHELL

Nachdem wir unseren Schlemmerabend in Alderney verdaut hatten und eine ruhige Nacht auf der KOBOLD verbracht hatten hieß es am nächsten Morgen mal wieder: früh raus. Wir wollten unbedingt so schnell es geht auf die französische Seite des Ärmelkanals nach Sables d´Or les Pins, wo der Bruder, nebst Family und Mama von Jo noch das letzte Wochenende ihrer Ferien verbrachten. Die Schwester von Jo hat dort ein Hotel, in dem wir auch ein bis zwei Nächte übernachten wollten.

 

Leider kamen wir dann doch erst um 10:30 Uhr in Alderney los. Die Sicht war diesmal nicht die beste, nachdem wir zunächst nur Nebelsuppe hatten, fing es zu allem Überfluss dann auch noch an zu regnen. Guernsey, die Nachbarinsel von Alderney war irgendwann komplett vom Nebel verschluckt und das, obwohl wir nur ungefähr 1 1/2 nm (nautische Meilen) weit weg waren. Dafür war der Seegang moderat, der Wind leider zunächst kaum vorhanden, so dass wir irgendwann mitten in der Nacht in der Bucht von Sables d´Or les Pins, in der Nähe von St. Malo unweit des bekannten Cap Frehel, ankamen. Geplant war später Nachmittag. Wegen der schlechten Sicht hatten wir zum ersten Mal das Radar angemacht, konzentrierten uns kurz vor der Bucht aber doch alle auf den gewohnten Plotter, ob bei dem ersten Ankermanöver im Dunkeln nicht vielleicht doch irgendwelche Untiefen zu beachten sind. Irgendwann entdeckte ich in unmittelbarer Nähe zu unserer KOBOLD auf dem Radargerät einen Fleck und fragte die Jungs, ob sie meinten, dass der Fliegenschiss in irgendeiner Weise zu beachten ist. Nahezu synchron schauten die beiden auf und wir sahen alle direkt vor uns ein kleines Schifferboot, das gerade seine Netze in aller Seelenruhe auswarf, genau auf dem Kurs auf dem wir uns befanden. Wir funkten das Boot an, um zu erfahren, ob wir hinter den Fischern oder lieber davor vorbei fahren sollten - wir hatten ja keinen Plan, wie tief die Netze hingen und wie weit man sie unter Umständen umfahren muss. Obwohl sie nunmehr fast schon nahezu 100 Meter vor uns waren und uns statt zu Antworten nur mit ihrer Taschenlampe blendeten, legte Jens den Hebel auf den Tisch und wir fuhren vorsichtshalber vor dem Fischerboot vorbei, obwohl diese längst backbord von uns waren, nicht ohne dass die Fischer nunmehr doch in der Lage waren uns zu antworten, allerdings mit lautstarker Stimme und derben Beleidigungen auf französisch.

 

Kurze Zeit danach sahen wir direkt am Bug einige vereinzelte Ankerbojen und das "Tappen im Dunkeln" hatte ein vermeintliches Ende. Nur die Boje wollte nicht ganz so wie wir. Anders als üblich war das Seil der Boje nur unter Wasser befestigt, so dass wir Mühe hatten die Boje mit dem Bootshaken zu fassen zu kriegen. Wir brauchten gefühlte 10 Anläufe. erst nachdem wir die Boje mit ***** ******** **** verflucht haben, gehorchte sie. Die Nacht war... bewegt... Die Wellen schaukelten die KOBOLD in übertriebener Weise in alle Himmelsrichtungen. Gegen fünf Uhr morgens hatten Jens und Jo genug und fixierten die KOBOLD am Heck an einer weiteren Boje und wir alle legten uns dann noch mal hin. Leider standen wir dann auch erst nach 11 Uhr wieder auf. Die Mutter von Jo war bereits abgereist und der Bruder samt Frau und Neffen von Jo wollten eigentlich auch langsam los. Vor lauter Erschöpfung hatten wir unsere Handys nicht mehr geladen und waren nicht erreichbar, weder für die Mama von Jo, noch für unseren Wecker :-(. Als wir dann endlich bei strahlendem Wetter den Strand erreichten, liefen die beiden kleinen strohblonden Neffen von Jo schon mit freudigem Geschrei in Onkels Arme. Und so war es nicht schwer Bruder und Schwägerin zu überreden, dass sie noch einen Tag länger blieben.

 

Das Hotel von Jo´s Schwester - Le Manoir de St Michel - lag hinter dem kleinen Hügel am Strand. Die Flaggen, die die Vorderseite des Hoteleingangs zieren, waren bereites vom Schiff aus zu sehen. An der höchsten Stelle des Hügels angekommen breitete sich vor uns das Anwesen des Hotels von Jo´s Schwester (mit dem wunderschönen Namen Sandra ;)) und ihrem Mann Gerome aus. Ein herrschaftliches altes Steinhaus auf einem riesigen Grundstück mit einem süßen Ententeich in der Mitte, in der Form eines Smiley´s. Wow! Das also war das Hotel, in dem Jo regelmäßig seine Schaffenspausen einlegt. Ich hatte es mir viel kleiner vorgestellt. Zum Ententeich hin haben Sandra und Gerome einen Wintergarten angebaut und die liebevolle Einrichtung des Frühstücksraum und der Küche lassen erahnen, wieviele gemütliche Tage und Nächte hier bereits verbracht wurden. Auf der Wiese gickelte ein einziger hübscher Zwergenhahn mit seiner exotischen Hehne (japanische Züchtung? ) und vertrieb die zahlreichen Enten, sobald sie der Hehne oder wahlweise auch seinem Futter zu nahe kamen. Ab und an ließ sich auf der Wiese auch eines der von Sandra ausgesetzten freilaufenden Meerschweinchen blicken. Eines von den zweien sollte, wie wir knapp zwei Wochen später erfuhren, fünf kleine Meerschweinchen zur Welt bringen. Und so kam es, dass wir statt 1-2 Tage eine ganze Woche blieben und jeder es auf seine Art genossen hat, mal wieder etwas Zeit an Land zu verbringen. Abends verwöhnten uns Jo und Gerome mit dem besten, was das Meer hergibt. Bereits am ersten Abend gab es Taschenkrebse und eine Meeresspinne (sieht eigentlich auch aus wie ein Krebs), den die Neffen von Jo eigenhändig (mit Papas Hilfe) gefangen haben. Am nächsten Tag sind wir essen gegangen. Es gab Loup de mer und als Vorspeise Jacobsmuscheln in Knobi und Schnecken. Am nächsten Abend ging es weiter mit dem Köstlichsten, das ich seit langem gegessen habe: Hummer mit einem ultramegaleckeren Hummersößchen. Vielleicht stelle ich das Rezept auch noch online. Weiter ging es mit Sparerips vom Grill mit einer von Gerome selbstgemachenten unheimlich geilen Barbecuesoße (das Rezept bekomme ich leider nicht mehr zusammen, da war alles Mögliche drin). Dann einen Topf Miesmuscheln und zum finalen Abschluss ein paar Burger au Manoir. Morgens gab es frische Croissants und drei verschiedene hausgemachte Marmeladen. Völlerei pur!

 

Als wir zwei Tage nach unserem Landfall mal auf dem Boot nach dem Rechten sahen, war ich doch etwas erschrocken. Das Festmacherseil an der Boje war wegen der übertriebenen Wellen an der Küste von St. Malo zur Hälfte durchgescheuert. Ich will mir gar nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn wir erst später nach der KOBOLD geschaut hätten. Okay, wir hatten zwar den Ankeralarm eingeschaltet, der uns per Smartphone informiert, sobald sich das Schiff aus einen bestimmten Radius heraus bewegt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wir rechtzeitig vom Hotel an der Boje gewesen wären, um ein Abtreiben zu verhindern. Unsere arme KOBOLD! Wir sicherten die KOBOLD mit drei Seilen, nur um einen Tag später festzustellen, dass wieder ein Seil fast durchgescheuert war. Jetzt legten wir einen Karabinerhaken in die Metallöse der Boje. Und siehe da! Metall auf Metall hält!

 

Ansonsten war das Hotel in der Bretagne der erste Ort, wo wir uns nach einem knappen Monat auf See mal etwas Zeit gönnten und die Seele etwas baumeln lassen konnten. Jens lernte seine Drohne endlich kennen und spielte den ganzen Tag nur noch mit ihr. Nebenbei produzierte er so spektakuläre Aufnahmen mit zitternden Fingern (Auch zu sehen auf der Homepage vom Hotel (www.manoirstmichel.com). Die Drohne fliegt über einen Kilometer weit und war teilweise nicht mehr sichtbar. Da kann man die Orientierung schnell mal verlieren. Ich übte mich im Hardcorechilling, las viel und surfte im Internet - solange wir es noch hatten. 

 

Als der Wind eigentlich gut stand, um weiter zu segeln, meldeten sich Golo und Schubi. Freunde, die einige Woche vor unserer Abreise auch aus Hamburg auf dem Weg nach Portugal aufgebrochen waren. Allerdings mit dem Fahrrad!!! Sie waren nicht mehr weit weg und hatten uns nahezu eingeholt. Und so beschlossen wir noch an die beiden zu warten und ein paar weitere Tage mit ihnen zu genießen. Natürlich empfingen wir sie angemessen vor dem steilsten Hügel von Sables d´Or les pins mit der Drohne und filmten ihren hechelnden Fahradtritt den Berg hinauf. Die Armen waren so alle, dass sie weder uns noch die Drohne anfangs registriert hatten. In dem Moment war irgendwas ganz besonderes in der Luft.. Die Abenteuerer trafen sich an einem der unzähligen tollen Orte der Erde.... In den letzten beiden Tagen mit den Fahradjungs entstanden so glorreiche Ideen, wie ein Battle zwischen den Seglern und den Bikern zu starten, wer den Text von "Voyage, Voyage!" von "Desireless" besser auswendig lernen kann. Wer sich den Text mal angeschaut hat weiß, dass das kein leichtes Unterfangen ist :P Und erst dieser Ohrwurm, der uns die nächste Zeit weiter verfolgen sollte...

Voyage Voyage
Au dessus des vieux volcans,
Glisse des ailes sous les tapis du vent,
Voyage, voyage,
Eternellement.
De nuages en marécages,
De vent d'Espagne en pluie d'équateur,
Voyage, voyage,
Vole dans les hauteurs
Au dessus des capitales,
Des idées fatales,
Regarde l'océan...

Voyage, voyage
Plus loin que la nuit et le jour, (voyage voyage)
Voyage (voyage)
Dans l'espace inouï de l'amour.
Voyage, voyage
Sur l'eau sacrée d'un fleuve indien, (voyage voyage)
Voyage (voyage)
Et jamais ne revient.

Sur le Gange ou l'Amazone,
Chez les blacks, chez les sikhs, chez les jaunes,
Voyage, voyage
Dans tout le royaume.
Sur les dunes du Sahara,
Des iles Fidji au Fujiyama,
Voyage, voyage,
Ne t'arrêtes pas.
Au dessus des barbelés,
Des coeurs bombardés,
Regarde l'océan.

Voyage, voyage
Plus loin que la nuit et le jour,
Voyage
Dans l'espace inouï de l'amour.
Voyage, voyage
Sur l'eau sacrée d'un fleuve indien,
Voyage
Et jamais ne revient.

Au dessus des capitales,
Des idées fatales,
Regarde l'océan.

Voyage,
Plus loin que la nuit et le jour,
Voyage
Dans l'espace inouï de l'amour.
Voyage, voyage
Sur l'eau sacrée d'un fleuve indien,
Voyage
Et jamais ne revient

Locker hätten wir es uns noch ein paar Tage oder Wochen mehr im Hotel gutgehen lassen können, wenn da nicht die Biskaya wäre, die es noch vor den Herbststürmen zu überqueren galt. So fuhren wir nochmal in den Supermarkt um genug Proviant für die nächsten Tage zu bunkern. Um das ganze Zeug nicht so weit schleppen zu müssen, fuhren wir mit dem Pickup von Gerome direkt auf den Strand und beluden das Dingi (Beiboot) bis zur Oberkante. Jens und Schubi dem wir das Boot zeigen wollten und ich hatten gerade noch Platz neben all den Einkaufstüten. Als wir gerade mit dem kleinen Gummiboot in See stechen wollten, erfasste uns eine viel zu große Welle und brach über dem Dingi. Und da Wellen ja bekanntlich nicht allein kommen, rollte gleich die nächste ins Boot. Auf der KOBOLD angekommen, staunte ich nicht schlecht, dass nur das Brot und das Zewa- Küchenpapier abzuschreiben war. Der Rest war zwar nass, aber dank der normalerweise vollkommen überflüßigen drei- bis vier-Mal-Verpackung noch zu gebrauchen.

 

Was soll ich sagen! Fahrt dorthin! Das Hotel ist der ultimative Geheimtipp für eine Flucht aus der Stadt und bietet der Seele viel Raum zum Baumeln!