DOVER IS OVER - Frankreich wir kommen ?

Aus der Ferne sah Dover sehr hübsch aus. Neben den weißen Kreidefelsen, sah man an der Küste pompöse villenartige Hotels und in den dahinter liegenden Gassen fanden wir schmale Häuser, die aussahen, als würde Harry Potter gleich aus der Tür kommen um seinen Schulweg nach Hogwarts anzutreten. Um so näher man kam, umso deutlicher sah man jedoch den Zerfall. Die Häuser hatten tiefe Risse und Fensterscheiben waren teilweise zerstört. Noch krasser waren allerdings die Menschen in Dover. Gefühlt jeder fünfte war obdachlos oder sah aus wie ein Crystal-Meth-Zombie. Vor dem Supermarkt stand eine schwangere Frau, die mit ihrem ca. 12 Jahre alten Sohn zusammen eine E-Zigarette rauchte. Am Stadtstrand in der Abenddämmerung spielten Kleinkinder in voller Montur (so warm war es nun auch nicht) im Wasser, während die Mutter Fotos davon machte. Am Pier sprangen die Halbwüchsigen ins Wasser und wurden beim Herausklettern von den anderen bespuckt. Ein lustiges Spiel 8-I

Am nächsten Morgen verließ uns Maxime vorübergehend um ein paar geschäftliche Dinge zu regeln und wir stachen zu dritt bei wenig Wind und Welle in See. Nach unserer Planung sollten wir in ungefähr 48 Stunden in Cherbourg (Frankreich) sein. Pustekuchen! In der nächsten Nacht baute sich die See zu riesigen Wellen auf, die am nächsten Tag eine Höhe bis schätzungsweise 3-4 Meter erreichten. Die Jungs haben mich dankenswerterweise (Jens: "ausnahmsweise") nicht zur Nachtwache geweckt und den ganzen Spuk selbst bewältigt. Ich musste mich in der Heckkajüte Querlegen um nicht aus dem Bett zu kullern. Als ich dann irgendwann morgensfrüh in zwei abgekämpfte, aber zumindest bei Jens freudig funkelnde Augen sah, hatte ich ein ganz schön schlechtes Gewissen.. :-/ Vorallem, da ich auch weiterhin nicht so wirklich in der Lage war irgendwas zum Vorankommen beizutragen, da ich wieder an etwas flauen Magen litt. Wenigstens gingen die Fische diesmal leer aus ;)

Leider hatte sich der Wind so gedreht, dass wir ihn direkt auf die Nase bekamen und auch die Strömung arbeitete mittlerweile komplett gegen uns, so dass der Kapitän schließlich entschied, nicht weiter gegen die Natur anzukämpfen und statt dessen zur Isle of Wight zu segeln. Dort kamen wir dann auch innerhalb weniger Stunden an. Der Kanal nördlich der Insel war im Gegensatz zum Ärmelkanal richtig belebt. Wir waren umringt von lauter Dickschiffen (Containerschiffe), Highspeedfähren, die aus dem nichts kamen und zwei Mal flog sogar ein Düsenflieger mit tosendem Lärm knapp über unserem Mast hinweg. Ich hatte etwas Bedenken, dass ihm unsere immer noch gehisste Europaflagge nicht ganz zusagte.... 

Aus "Goedendag!" wird "Hello Sir!"

30. August 2016 (kaum noch blaue Flecken)) :

Nach unserem Ausflug nach ´de Koop´ auf Texel, mit geliehenen Fahrrädern und bei schönsten Sonnenschein und ländlicher Idylle, kamen wir abends bereichert um drei Zuccinis, die wir à la Brandenburger Manier am Stadtrand erstanden haben, erschöpft auf dem Boot wieder an. 

Am nächsten Morgen in aller Frühe, brachen wir dann gleich wieder bei schönstem Wetter auf mit dem Ziel: `Dover`.

Der befürchtete Englische Kanal mit seinen zahlreichen Verkehrstrennungsgebieten (= Autobahnen für drei Mal so schnelle Dickschiffe) und seinen starken Tiden lag vor uns. Wir hatten mal wieder Glück mit dem Wetter und hatten schönsten Sonnenschein und etwas Wind. Als uns der Wind so langsam verließ und wir mit einem Knoten nahezu auf der Stelle dümpelten, sprangen wir (nacheinander) kurzerhand ins kühle Naß um uns abzukühlen. Kurz derauf bekamen wir Besuch von einem überputzigen Seehund, der unter dem Boot immer wieder abtauchte, um kurze Zeit darauf etwas näher irgendwo wieder aufzutauchen und wie ein Erdmännchen neugierig den Kopf in unsere Richtung zu strecken. Wir haben ihn nicht überreden können unser Haustier zu werden. ;)Als wir dann irgendwann den Motor anschmissen um halbwegs vorwärts zu kommen, war der Seehund dann auch nicht mehr interessiert.

Wir vertrösteten uns mit dem Grillen von Thüringer Bratwürschtl´mitten auf dem Meer! Super surreal! Ganz so viel Verkehr wie befürchtet gab es auf dem Ärmelkanal (= (´La Manche`-franz.- ich habe von Maxime gelernt, dass die Franzosen es gar nicht gerne sehen, wenn man den Ärmelkanal Englischen Kanal nennt. Schließlich liegt er auch an Frankreich, so dass man ihn genauso gut `Französischer Kanal`nennen könnte. Wo er recht hat, hat er recht) dann doch nicht.

Gerade als die Würstchen bereit waren sahen wir erneut einen Seehund in einiger Entfernung vor uns auf dem Wasser. Als wir näher kamen, merkten wir, dass er ziemlich aufgedunsen und regungslos war... Wie ein Plastikspielzeug, dass ein Kind am Strand verloren hat. Guten Appetit! :-/

Die weitere Überfahrt nach Dover war ebenfalls ruhig. Als wir am nächsten Morgen Land sichten, konnte Jens es sich nicht verkneifen unter der obligatorischen englischen Gastflagge die europäische Flagge mit passender Untermalung durch die europäische Hymne zu hissen.

Texel Techtelmechtel

Nachdem wir nachmittags am 22. August 2016 in Texel angekommen sind war ersteinmal klarschiff machen angesagt. Alles was vor der Überfahrt nicht richtig fixiert war lag im Salon verstreut und das Geschirr stapelte sich mal wieder in der Spüle, da bei einem Wellengang mit drei Meter Welle nicht daran zu denken war, sich länger als fünf Minuten unter Deck aufzuhalten. Als das erledigt war vielen wir alle erschöpft in die Kojen.

Am nächsten Morgen fingen die Jungs eifrig an am Boot rumzubasteln. Am frühen Nachmittag konnten Sie sich jedoch loseisen, um eine kleine Fahrradtour zum Strand auf der anderen Seite der Insel zu machen. Vorbei an Feldern und Wäldern durch das schnuckelige Städtchen ´De Koop`, wo ich mich gerne in ein Café gesetzt hätte um das Flair der Stadt aufzusaugen. Stadtdessen setzten wir uns nach einem frischen Bad in der Nordsee in ansprechendes helles Lokal (Strandpaviljoen Vijftien) an der Strandpromenade dekoriert mit hellem Holz und viel angeschwemmten Strandgut. Das Essen war unfassbar gut! Wir hatten zweimal Krabbensalat, Rote Beete Aranci Ziegenkäse und Pilzmayonnaise und Graved Lachs mit Meeresalgen, Äpfel, Gurken und Wasabisauce und weißer Schokolade. Leider hatte die Bedienung nicht verstanden, dass wir die Speisen gerne gleichzeitig serviert bekommen möchten, obwohl es sich teilweise um Vorspeisen handelte und so mussten wir leider auf die bereits bestellte Käseplatte verzichten, da es bereits anfing zu dämmern und wir den Rücktritt antreten mussten. Gestärkt und beflügelt von unserem schönen Fahrradausflug und dem zauberhaften Sonnenuntergang hinter uns über den Feldern gingen wir zu Bett. Der Wecker würde am nächsten Morgen um 5:30 Uhr klingeln, um weiterzufahren.

Deutsche Bucht & Energie

Uff, das war ein Ritt! von Samstag früh bis Montagmittag sind wir von Helgoland nach Texel durchgefahren! 2 1/2 Tage und zwei Nächte! 

Der erste Tag auf hoher See war top. Wir hatten zwar eine ziemlich ruppige See mit kurzen hohen Wellen, was eine ordentliche Achterbahn bedeutet, aber im Gegensatz zu zwei erfahreneren Crewmitgliedern `fütterte ich nicht die Fische´. Ersteinmal… Doch als ich mich zum Schlafengehen vor meiner ersten Nachtwache unter Deck begab und sich die Welt unten, von links nach rechts in gefühlten 45 ° - Winkel bewegte und noch dazu die Wellen gegen den Rumpf des Schiffs klatschten und es klang, als ob eine Metalltür irgendwo.  permanent zugeschlagen wird, da war es dann auch meinem Magen zufiel…. Ich konnte danach dann aber doch erstaunlicherweise recht selig schlafen, bis ich gegen 1:00 Uhr für die 3-stündige Nachtwache geweckt wurde. Zusammen mit Maxime, unserem atlantikerprobten Franzosen, steuerten wir das Boot durch die immer noch gigantischen Wellen. Die Orientierungslichter der Bohrinseln und Verkehrstrennungsgebiete auf dem Wasser verschwanden sekündlich hinter den hohen Wellen. Mir war schon etwas mulmig zumute. Maxime sang mit seiner schönen Barritonstimme seemännisch Evergreens, während er steuerte. Das beruhigte! Irgendwann forderte er mich auf doch auch mal zu steuern und siehe da! Das war echt cool! Wenn man es selbst in der Hand hat das Boot die Wellen runter zu surfen und in einem schrägen Winkel wieder hinaufzuklettern vergeht einem sämtliche Unsicherheit und auch Übelkeit! Die schwarzen Monster, namens Welle, waren plötzlich gar nicht mehr so furchterregend und ich konnte den fast noch vollen Mond ausgiebig bewundern. 

Trotzdem muss ich gestehen, war ich froh, als wir nach drei Stunden von Jens und Jo abgelöst wurden. Bei den beiden wurde das Wetter noch krasser! Es fing an zu pläddern und die See wurde noch unruhiger. In der Ferne waren Blitze zu sehen (Wäre nichts für Dich Sari))))) und die KOBOLD bockte wie ein junges Fohlen, das nicht eingeritten werden wollte. 

Als dann endlich der nächste Tag anbrach sah alles schon wieder etwas besser aus. Und die darauf folgende Nacht war bereits wesentlich ruhiger. Die Wellen länger und entspannter, so dass die zweite Nachtwache mit Jens sehr viel kuscheliger wurde ;D Ich musste mich diesmal nur zwingen wach zu bleiben um regelmäßig - zusammen mit Jens - einmal den Blick umherschweifen zu lassen, um sicherzugehen, dass auf der Wasserverkehrsstraße, die wir gerade kreuzten keine Schiffe umherdümpelten, die - wie wir - keinen aktiven AIS-Sender hatten und dadurch nicht auf unserem `Plotter` zu sehen waren. 

Nach der Schicht von Jo und Maxime war bereits Land in Sicht und ich weiß jetzt, was für ein übertrieben erleichterndes Gefühl das nach so einer Nachtüberfahrt sein kann. Die Dusche war ein Traum!! Habe noch nie eine Dusche so sehr genossen!!! Nachdem wir `klarschiff` gemacht haben gab es erstmal ein herrliches Entrecôte. Mit Heißhunger hatten wir in Helgoland gute vier Kilo argentinisches Rind gekauft. War ja zollfrei.  Das bedeutete also ein gutes Kilo für jeden! Geil! Danach waren wir dann alle recht erschöpft! Heute machen wir noch ein paar Kleinigkeiten am Schiff und werden nachher vielleicht mal einen kleinen Ausflug nach `De Koop` machen und dann abschließend besprechen, ob die nächste Tour nach ´Den Haag, `Dover` oder ganz woanders hin geht. Mal schauen. Alles kann nix muss 

Helgoland Hell

Ich frag ihn auf wen er wartet, er sagt der Käpt'n lässt sich Zeit. Denn bis zum nächsten Hafen sei der Weg noch ziemlich weit.ch frag ihn auf wen er wartet, er sagt der Käpt'n lässt sich Zeit. 

 

Da haben wir nun unser erstes Ziel erreicht! Da der kleine Besucherhafen überwiegend belegt war mussten wir an der Kaimauer an ein bereits dort geparktes Schiff in ein sogenanntes Päckchen legen. Helgoland hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Die Inselgruppe sollte nach dem Zweiten Weltkrieg von den Briten eigentlich komplett gesprengt und im Meer versenkt werden.  Das hat irgendwie ein eher trostloses Bild in meiner Fantasie produziert. Stattdessen sah es aus, als hätte jemand bunte Legosteine an die Hafenpromenade gesetzt. 

Einer der ersten Aktionen war unseren Proviant im großen Stil aufzustocken. Auf Helgoland gibt es eigens dafür ausgestattete großhändlerähnliche Läden. WIr hatten danach Probleme den ganzen Wein, das Bier und mein Schöfferhofer Grapefruit im Bauch der Kobold zu verstauen. 

Anschließend genehmigten wir uns erstmal ein kleines Weinchen nebst Snack in der `Bunten Kuh`, bevor wir mit unseren Weingläsern gemütlich bei feinster Sonne den Helgoländer Hügel hoch schlenderten und von da aus die rote Steilküste bewunderten. Aus der Ferne sahen wir es in Küstennähe in einer verlassenen Bucht silbrig glitzern. Da lag ein Seehund im Wasser. Als wir hinabstiegen und das Wasser wegen der Ebbe langsam zurück ging, sahen wir, dass sich der Seehund auf einem Stein unter Wasser gemütlich in der Sonne rekelte. Nach einer Weile Plottern überall noch mehr runde Seehundköpfe hoch. Sobald diese sich der alten Seehunddame näherten fauchte diese, die Konkurrenten böse an, um ihren Stein zu verteidigen. Auch andere Seehunde schienen sich nicht so einig darüber zu sein, wer den nächsten Stein belegen dürfte, der sich nach ein paar Minuten aus dem Wasser hob. Wir machten es den Seehunden gleich und pfletzten uns auf die großen Betonsteine, die am Ufer lagen. 

Erst bei Dämmerung kehrten wir auf unsere KOBOLD zurück, wo ich uns ein paar überbackene Zuccinis zubereitete. Der Plan war am nächsten morgen, mal wieder in aller Herrgottsfrühe, direkt nach Texel aufzubrechen.

Bye, bye Wedel

Wir haben es geschafft !!!!! Nach nur vier Monaten Vorbereitungszeit sind wir gestern endlich aus dem Hamburger Yachthafen Wedel, um 16:24 Uhr ausgelaufen !

Das Wetter war für unsere erste Strecke bestens! Gefühlte 20 ° C, am Abend Sonne mit traumhaften Sonnenuntergang über Brunsbüttel. Nur der Wind, der ward nicht gesehen. Die Elbe war glatt wie ein Babypopo. Ich würde mal denken, hat man selten gesehen. Den Hafen von Cuxhaven haben wir dann gegen 22:30 Uhr im Dunkeln erreicht und fiehlen dann auch nach einem feinen Champagner, zur Feier des Tages, erschöpft ins Bett, um heute wieder um 5:24 Uhr aufzustehen, damit wir mit der Strömung aus der Elbe schippern könnten. 5:24 Uhr!!! Das ist früher, als ich je für die Arbeit aufgestanden bin, aberabermals es lohnt sich echt! Die Farbe des Wassers am morgen ist silbrigblau mit einem hellblauen Himmel und am Horizont der orangegelbe Sonnenball, der Cuxhaven von einer Seite hell beleuchtet, während die andere Seite der Stadt noch im Schatten schläft.

Ich bin gespannt auf Helgoland, wo man zollfrei einkaufen kann! Yiiipee!!! Es ist nicht so, dass wir nicht genug Proviant hätten. Der reicht wahrscheinlich bis zum Atlantik. Aber was soll ich sagen, man sollte shoppen, wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet 

SV Kobold (-Fenster)

Ich konnte es gar nicht so recht fassen, als sich letzten Samstag unsere Liebsten im Hamburger Yachthafen in Wedel einfanden und mit uns zusammen unser Boot umtauften. Zu schnell ist die Vorbereitungszeit gegangen, um unser Vorhaben richtig wirken zu lassen. 
Da es Tradition ist, dass eine Jungfrau den Job der Taufpatin übernimmt, kam von den Anwesenden niemand außer der dreienhalbjährigen `Clärchen` in Betracht, die kurz vor ihrem großen Auftritt durch die Luke im Vorschiff hoch und runter kletterte und dabei immer wieder „Fenster“ quietschte. Als sich die versammelte Mannschaft nun also erwartungsvoll auf dem Steg aufbaute und ich die Worte einleitete: „Hiermit taufe ich Dich auf den Namen ….“ entstand erstmal die befürchtete Pause. Also flüsterte ich Clärchen „Kobold“ zu und sie sagte: „Kobold…..“ und schob noch ein “-Fenster“ hinterher. Nun gut, Hauptsache „Kobold“ :D

…. und nun sitze ich hier in der Elbmündung. Die Sonne kitzelt meine Nase und ich habe vor ca. einer Stunde doch tatsächlich die ersten freilebenenden Schweinswale in 200 m Entfernung gesehen. In der Elbe!!! Das läßt auf mehr hoffen. So und jetzt genieße ich erstmal den weiten Blick und das tolle Wetter. Bis demnächst! Tschüß,Tschüß!

WAS BISHER GESCHAH

Nach unseren herrlichen Segelurlauben in der türkischen Ägäis, habe ich Blut geleckt. Jens war schon immer begeistert von Booten und ich wollte auch mehr… Mehr Sonne, mehr Seeigel und Seesterne, nächtliche Badegänge in phosphorisieredem Wasser, Stand-Up-Paddeling, ankern in nahezu einsamen Buchten, baumeln in der Hängematte mit einem Buch in der Hand. Ein Urlaub war zu kurz um das Land und das Meer aufzusaugen. Ich wollte mehr als vor dem Urlaub den vollen Schreibtisch unter Hochdruck abzuarbeiten, nur um nach dem Urlaub wieder einen noch volleren Schreibtisch vorzufinden. Ich wollte noch was erleben, solange wir noch (halbwegs)

ungebunden sind. Ein Abenteuer von dem man noch lange zehren kann und das einem Kraft für lange Zeit gibt. Auch wenn da gewisse Zweifel waren… Ich meine wir beide haben tolle Jobs in denen wir gefordert wurden und vor allem, mit tollen Kollegen (lieben Gruß an Euch!). Eigentlich hatte ich das Gefühl beruflich endlich angekommen zu sein. Und das Risiko, dies zu verlieren bestand natürlich zweifelsohne. Umso glücklicher war ich, dass meine Arbeitgeber, da mitmachten und ich eine Freistellung für ein Jahr bekommen habe!! 

Aber ich schweife etwas ab. Nach dem letzten Segelurlaub Ende 2015, führte genau die Situation mit dem übervollen Schreibtisch und besonders nervigen Akten dazu, dass ich zu Jens sagte: „Lass uns einfach abhauen!“ Natürlich stieg Jens sofort darauf ein und ehe ich mich versah hatte er ein Blauwasserseminar beim berühmten Weltumsegler Söhnke Roevers gebucht. Ca. Ende Februar 2016 suchte Jens schon jeden Abend im Internet nach Booten. Und siehe da, es gab sogar ein für Langfahrten ausgerüstetes Schiff in BERLIN! Wir dachten ein Traum wird wahr! Nachdem Jens die mündliche Zusage bekommen hat, dass ein Sabbatical Ende des Jahres möglich wäre, unterzeichneten wir etwas überstürzt den Kaufvertrag für unser Traumschiff. Gedanklich waren wir schon täglich abends auf dem Boot und rüsteten es aus und genossen am Wochenende den Sommer noch auf dem Wannsee. Doch es sollte dann doch nicht sein. Bei der Bootsübergabe fanden wir (Jens) ein paar kleine Mängel am Boot. Da wir vereinbart hatten, dass der Verkäufer diese zu tragen hatte, kam es zu Unstimmigkeiten mit den Verkäufern und der Vertrag wurde am Ende des Tages zerrissen, verbunden mit der Absprache, den Kauf erneut - diesmal mit einem Sachverständigen - abzuwickeln. Mir leuchtete schon zu diesem Zeitpunkt nicht ein, weshalb wir deswegen den Kaufvertrag zerreißen mussten. Zwei Tage später kam dann Licht ins Dunkel. Uns erreichte eine E-Mail der Verkäufer, in der zunächst nicht mehr die Rede von einem neuen Kaufvertrag war. Statt dessen wurde lang und breit und mit deutlich schlechtem Gewissen zwischen den Zeilen erklärt, das Boot habe eine Grundberührung mit Wassereinbruch gehabt. Wir waren mehr als enttäuscht und konnten nicht verstehen, dass das sympathische, seeerfahrene Ehepaar uns das verschwiegen hatte.

Nach diesem Schlag in die Magengrube machten wir uns erneut auf die Suche. Da wir zeitliche Vorgaben hatten artete es in einen Besichtigungsmarathon aus. Nebenbei lernten wir eine Menge interessanter Seebären und -bärinnen kennen. Schließlich fanden wir im April unsere KOBOLD im Hamburger Yachthafen in Wedel. Diesmal wollten wir es richtig machen und beauftragten einen Sachverständigen. Und was soll ich sagen.. auch bei unserer KOBOLD lief nicht alles ganz rund. Im Gegensatz zu unserem ersten Kauf, verschwiegen uns die Voreigner nicht, dass auch die KOBOLD eine Grundberührung hatte, allerdings stellte der Sachverständige fest, dass eine Wrange im Rumpf des Bodens verzogen war. Heißt, der komplette Kiel musste ab und neu aufgebaut werden. Außerdem, stellte sich heraus, dass das Segel nicht von 2007, sondern von 1997 war, das Unterwasserschiff musste neu gestrichen werden, die Ankerkette war zu kurz, der Motor vom Dingi (Beiboot) lief nicht und, und, und… nebenher hieß es noch in der Kürze der Zeit meine Wohnung neben der Arbeit aufzulösen, an den Wochenenden nach Hamburg raus fahren um das Boot für die Langfahrt mit Rettungsinsel, AIS, neuen Wanten + Fallen, auszurüsten, Deck schleifen und, und, und… wäre da nicht der Gedanke, an die tolle Zeit die vor uns liegt, währen wir wahrscheinlich direkt an „Burn out“ erkrankt :-!